Sie befinden sich hier auf: Startseite > Data > Kategorien > Sonstiges > Antibiotika Referat

Antibiotika


[Bitte beachten: Die Bilder zu den verschiedenen Referaten sind erst nach dem Download der dazugehörigen kostenlosen Word-Datei zu sehen.]

Der Begriff "Antibiotika" kann aus dem griechischen abgeleitet werden und bedeutet annähernd: "gegen etwas Lebendes".

Antibiotika werden gegen Infektionskrankheiten eingesetzt, die durch Bakterien entstehen.

Bakterien sind Mikroorganismen, also Kleinstlebewesen, die überall in der Natur vorkommen.

Gegen die meisten Bakterien, die bei den Menschen Krankheiten verursachen können, wurden Antibiotika entwickelt. Allerdings kann es bei dem Einsatz der Antibiotika auch Probleme geben. Zum einen muss teilweise mit Nebenwirkungen während der Therapie gerechnet werden.

Ein anderes Problem ist die sich immer weiter verbreitende Resistenzentwicklungder Bakterien. Unter Resistenz versteht man, dass bestimmte Bakterien gegen ein oder mehrere Antibiotika unempfindlich werden.

 

1. Geschichte der Antibiotika:

Die Anwendung von antibiotisch wirksamen Substanzen durch den Menschen erfolgte höchstwahrscheinlich schon früh in der Menschheitsgeschichte. Immer wieder gab es vereinzelte Hochkulturen, die über ein beachtliches Wissen verfügten. Es ist daher anzunehmen, dass schon vor Jahrtausenden durch Heilkundige Wirkstoffe gegen Krankheitserreger eingesetzt wurden.

Die erste Beobachtung einer antibiotischen Wirkung machte der französische Chemiker Luis Pasteur im 19. Jahrhundert. Er entdeckte, dass bestimmte Bakterien Milzbrandkeime abtöten können.

Etwa im Jahr 1900 isolierte der deutsche Bakteriologe Rudolf von Emmrich Pyocyan, einen antibiotischen Stoff, der im Laborversuch die Erreger von Cholera und Diphtherie abtötete. Für die Heilung dieser Krankheiten erwies er sich jedoch nicht als geeignet.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts begann der deutsche Arzt und Chemiker Paul Ehrlich mit der Synthese organischer Substanzen zu experimentieren. Seine Versuche führten 1910 zur Entwicklung von Salvarsan, welches von Paul Ehrlich gegen Syphillis und anderen Tropenkrankheiten eingesetzt wurde.

Das Salvarsan wird nicht zu den Antibiotika gezählt, weil Antibiotika laut Definition natürliche Stoffwechselprodukte von Bakterien und Pilzen sind. Trotzdem spielte das Salvarsan einige Zeit als antibiotisch wirkende Substanz eine wichtige Rolle.

Als erste Antibiotika wurden 1941 Penicillinpräparate verwendet und in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Dem Penicillin folgte 1943 das Streptomycin:

[Bilder nur im Word-Datei sichtbar]

In den kommenden Jahren wurden weitere neue Substanzklassen an Antibiotika entwickelt. 1984 kamen die Gyrasehemmer auf den Markt, in die auf Grund eines erweiterten Wirkungsspektrums große Hoffnungen gesetzt wurden.

Wie schon erwähnt, waren die ersten Antibiotika biologischer Herkunft. Die Präparate, die heute eingesetzt werden, sind aber fast ausschließlich chemischer Herkunft, was zur Folge hat, dass immer besser verträgliche und spezieller wirksame Antibiotika entwickelt werden können.

Der Einsatz der Antibiotika in der Medizin hat neben der verbesserten Hygiene zu einer deutlich herabgesetzten Sterblichkeit der Menschen bei Infektionskrankheiten geführt.

Penicillin, die Urform und das bekannteste aller Antibiotika, wird von dem Schimmelpilz Penicillium notatum produziert. Penicillin wurde 1928 von Alexander Fleming durch Zufall entdeckt. Er wies in Laborkulturen nach, dass bei der Anzucht von Penicillium notatum benachbarte Bakterien im Wachstum gehemmt werden.

Doch schon lange vor Alexander Flemings Entdeckung gab es Mediziner, die auf die heilende Wirkung des Schimmels vertrauten: In der Antike und im Mittelalter legten Chirurgen schimmelige Lappen auf die Wunden, um Infektionen zu verhindern.

Diese Art von Therapie passte aber nicht in das moderne Verständnis von Hygiene und das Wissen über die Schimmeltherapie ging deshalb verloren.

Nachdem die Entdeckung von Fleming zunächst für einige Zeit unbeachtet blieb, gelang es 1941 einer Forschergruppe in Oxford erstmals, ein bestimmtes Penicillin, das Penicillin G, gegen Infektionskrankheiten beim Menschen erfolgreich anzuwenden.

Seit Antibiotika in den fünfziger Jahren zur allgemeinen Anwendung kamen, veränderten sie die damalige Medizin drastisch. Viele Erkrankungen, die einst als Todesursachen die Sterblichkeitsstatistiken anführten, wie etwa Tuberkulose, Lungenentzündung und Blutvergiftung, rangieren nun auf den hinteren Plätzen der Statistiken. Auch der Chirurgie kamen Antibiotika außerordentlich zugute, da nun lange und komplizierte Operationen durchgeführt werden können, auf die zuvor aufgrund des hohen Infektionsrisikos eher verzichtet wurde.

Chemische Mittel wurden auch zur Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten eingesetzt, vor allem gegen Malaria, eine der Haupttodesursachen in Entwicklungsländern.

Bisher wurden solche Arzneimittel z.B. gegen Gürtelrose und Windpocken entwickelt und angewandt. Derzeit bemüht man sich mit großem Einsatz, ein Heilmittel für die Infektion durch das Aidsvirus HIV zu finden.

2. Allgemeines:

2.1 Einteilung und Wirkungsspektrum

Gegenwärtig gibt es mehrere Tausend Substanzen mit nachgewiesener antibiotischer Wirkung, aber nur etwa 60 eignen sich für die medizinische Anwendung. Da sich unter ihnen neben natürlich vorkommenden auch halb und vollsynthetische Substanzen befinden, ist der Begriff Antibiotika entsprechend erweitert worden. Je nach dem Umfang ihres Wirkungsspektrum werden die einzelnen Substanzen den Schmalband-, Mittelband- oder Breitbandantibiotika zugeordnet.

Ein wichtiges Kriterium zur Unterteilung der Bakterien ist deren Gestalt, wobei es kugelige, stäbchenförmige und schraubenförmige Bakterien gibt:

stäbchenförmig kugelig schraubenförmig

Jedoch erfolgt die Einteilung der Antibiotika in erster Linie nach chemischen Kriterien. Dabei wird meist ein älteres, schon länger bekanntes Antibiotikum immer weiter chemisch abgewandelt und damit verbessert. So sind verschiedene Substanzklassen entstanden.

Diesen Substanzklassen ist in der Regel ein bestimmtes Erregerspektrum zuzuordnen. Mit Erregerspektrum ist gemeint, dass nur bestimmte Bakterien mit ganz speziellen Eigenschaften natürlicherweise gegen ein Antibiotikum empfindlich sind.

Antibiotika unterstützen das Immunsystem bei der Abwehr der krankheitsverursachenden Bakterien. Dabei gibt es eine Vielzahl von antibiotischen Substanzen. Die wichtigsten sind:

Bei der Beschreibung der einzelnen Wirkstoffe werden häufig bestimmte Fachbegriffe erwähnt, die hier kurz erklärt werden:

  • Wirkungsspektrum: Damit sind die Bakterienarten gemeint, gegen die ein Antibiotikum wirksam ist.
  • Kokken und Stäbchen: Gemeint ist die Gestalt der Bakterien. Kokken sind kugelige Bakterien und Stäbchen sind langgestreckt und schmal, also stäbchenförmig.
  • bakteriozid und bakteriostatisch: Mit bakteriozid werden Substanzen bezeichnet, die Bakterien abtöten. Bakteriostatisch wirkende Arzneimittel hindern die Bakterien lediglich an ihrer Vermehrung.

  • Gram-Färbung:

(1) Die Bakterien werden auf dem Objektträger durch Hitzeeinwirkung fixiert, In diesem Zustand sind sie mikroskopisch noch nicht (gut) sichtbar.

(2) Danach erfolgt eine Färbung mir Kristallviolett durch die alle vorhandenen Bakterien blau gefärbt werden (n.b. es gibt Ausnahmen, die den Farbstoff nicht oder nur schlecht aufnehmen, z.B. Mykobakterien).

(3) Nach Beizung mit Jod-Kaliumjodid und Entfärbung (Differenzierung) mit Alkohol halten nur die Bakterien mit mehrschichtigem Murein den Farbstoff zurück, die mit einschichtigem Murein geben ihn wieder ab.

(4) Um auch diese Bakterien sichtbar zu machen, verwendet man eine Gegenfärbung.

Anmerkung:

Die Gram-Färbung ist weltweit die wichtigste und allgemeinste Färbetechnik zur Unterscheidung und Identifikation von Bakterien in bakteriologischen Labors.

  • Cephalosporine: Bakterizide Antibiotika von Pilzen mit breitem Spektrum; hemmen die Zellwandsynthese.

2.1 ß-Lactam-Antibiotika:

Der Ursprung der ß-Lactam-Antibiotika ist das Penicillin.

In den Anfängen wurden Penicillinpräparate aus Unkenntnis häufig falsch eingesetzt, also auch gegen Krankheitserreger, die natürlicherweise unempfindlich gegen ß-Lactam-Antibiotika sind. Heute ist es möglich, mit dem biochemischen Verfahren der Resistenzbestimmung die einzelnen Antibiotika gegen den jeweiligen Krankheitserreger zu testen.

Alle ß-Lactam-Antibiotika wirken bakteriozid, das heißt, sie töten Bakterien ab, allerdings nur, wenn sich diese in dem Zustand der Vermehrung befinden.

2.2 Tetracycline:

Tetracycline wirken bakteriostatisch, also wachstumshemmend auf grampositive und auch auf zahlreiche gramnegative Bakterien.

Die Tetracycline greifen mit Hilfe bestimmter Bindungsstellen in den Stoffwechsel der Bakterien ein und verhindern somit die Vermehrung der Bakterien. Das Überleben einer Bakterienpopulation beruht im Wesentlichen auf einer hohen Vermehrungsrate, daher wird eine Bakteriengemeinschaft durch die Hemmung der Fortpflanzung vernichtet.

2.3 Aminoglykoside:

Die Aminoglykoside sind in ihrer Wirkung bakteriozid, d. h. sie wirken auf die Bakterien abtötend. Die Bakterien werden in erster Linie in ihrer Teilungsphase abgetötet, es gibt aber auch eine Wirksamkeit der Aminoglykoside auf Bakterien die sich in der Ruhephase befinden.

Die Aminoglykoside greifen in die Proteinsynthese der Bakterien ein und bewirken dadurch die Bildung von falschen Proteinen, auch Nonsens-Proteine genannt. Die Nonsens-Proteine führen zu Schäden an den Bakterienmembranen, wodurch es zum Absterben der Bakterien kommt.

Die Substanzgruppe der Aminoglykoside hat ein breites Wirkungsspektrum, vor allem im gramnegativen Bereich.

Dem breiten Wirkungsspektrum stehen z. T. gravierende Nebenwirkungen, wie die Ototoxizität und Nephrotoxizität, gegenüber. Ototoxisch sind Substanzen, die schädigend auf den Gehörapparat wirken, wobei diese Schäden in der Regel irreparabel sind. Nephrotoxische Substanzen schädigen das Nierengewebe.

Aufgrund der massiven Nebenwirkungen werden einige Aminoglykoside nur selten systemisch verwendet. Unter einer systemischen Anwendung wird eine Arzneimittelgabe verstanden, bei der sich der Wirkstoff im gesamten Organismus verbreiten kann.

Daher werden die Aminoglykoside, wenn sie systemisch wirken sollen, in Form von Infusionen oder Injektionen gegeben.

2.4 Makrolide:

Makrolide sind Antibiotika, die aus Pilzkulturen gewonnen werden können, und chemisch weiter verändert werden.

Sie wirken bakteriostatisch, also wachstumshemmend. Ihr Wirkungsspektrum erstreckt sich im Wesentlichen auf grampositive Erreger.

Makrolide verteilen sich gut im Körpergewebe und reichern sich auch in Körperzellen an. Daher gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den gemessenen Konzentrationen an Makroliden im Blut und ihrer tatsächlichen klinischen Wirksamkeit.

Die Ketolide, die sich chemisch von den Makroliden ableiten, sind eine relativ neue Stoffklasse. Sie werden auf Grund ihrer engen Beziehung zu den Makroliden daher in der Fachliteratur auch häufig den Makroliden zugeordnet.

2.5 Lincosamide:

Die Lincosamide binden an die Ribosomen und stören damit die Proteinsynthese. Die Wirkung ist eine Hemmung der Vermehrung der Bakterien und in hohen Konzentrationen bei sehr empfindlichen Bakterien eine Abtötung der Erreger.

Lincosamide sind in erster Linie gegen grampositive Kokken und gegen verschiedene Anaerobier-Arten wirksam. Anaerobier sind Mikroorganismen, die nur unter Abwesenheit von Sauerstoff leben können.

2.6 Gyrasehemmer:

Die Gyrasehemmer sind antibiotisch wirkende Substanzen, die vollständig synthetisch hergestellt werden und keine natürlicherweise vorkommende Ausgangssubstanz aufweisen. Solche Arzneimittel werden auch als Chemotherapeutika bezeichnet.

Ihren Namen verdanken die Substanzen der Hemmung der bakteriellen Gyrase, ein Enzym welches für die Vermehrung der Bakterien notwendig ist.

2.7 Sulfonamide und Trimethoprim:

Die Sulfonamide und das Trimethoprim gehören in der Therapie gegen Krankheitserreger eng zusammen. Sie werden häufig miteinander in festen Kombinationen verabreicht, weil sie sich in ihrer Wirkungsweise optimal ergänzen.

2.7.1 Sulfonamide:

Bei den Sulfonamiden handelt es sich um synthetisch hergestellte Substanzen, die bakteriostatisch wirken. Auf Grund der synthetischen Herkunft werden Sulfonamide auch als Chemotherapeutika bezeichnet.

Das Wirkungsspektrum der Sulfonamide umfasst einige Kokken.

Die Wirksamkeit gegen gramnegative Stäbchen ist unterschiedlich.

2.7.2 Trimethoprim:

Trimethoprim wirkt bakteriostatisch. Sie greifen in die Synthese der Folsäure ein.

Es gibt noch zwei weitere Substanzen, die eng mit Trimethoprim verwandt sind. Es ist zum einen das Tetroxoprim, welches auch in festen Kombinationen mit Sulfonamiden verwendet wird, und das Pyrimethamin, welches in der Malariatherapie angewendet wird.

2.7.3 Sulfonamide in Kombination mit Trimethoprim

Die Sulfonamide werden, wie bereits erwähnt, häufig mit Trimethoprim kombiniert.

Ein großer Vorteil dieser festen Kombinationen ist, dass sich beide Wirkstoffklassen optimal in ihrem Wirkungsmechanismus ergänzen. Daraus resultiert eine verstärkte Wirksamkeit und ein erweitertes Wirkungsspektrum gegenüber den Monopräparaten. Außerdem entsteht durch die Kombination eine Verzögerung der Resistenzentwicklung.

Die Kombinationen werden besonders häufig bei der Behandlung von Harnwegsinfektionen eingesetzt.

2.8 Glykopeptid-Antibiotika:

Bei den Glykopeptid-Antibiotika handelt es sich um sehr komplex aufgebaute Substanzen, die bakteriozid wirken.

Ihr Wirkungsspektrum umfasst grampositive Bakterien, die aerob oder anaerob wachsen, also mit oder ohne Sauerstoff.

Damit die Glykopeptid-Antibiotika auch weiterhin gegen die bereits erwähnten Problemkeime wirksam sind, ist es sehr wichtig, dass sie zurückhaltend eingesetzt werden. Damit ist gemeint, dass ihre Anwendung erst erfolgen soll, wenn andere Antibiotika versagt haben.

2.9 Polypeptid-Antibiotika:

Die Polypeptid-Antibiotika werden fast ausschließlich lokal angewendet und daher auch als Lokalantibiotika bezeichnet.

Die Anwendung der Polypeptid-Antibiotika kann zur Behandlung bakteriell infizierter Bereiche der Haut bzw. der Schleimhäuten erfolgen.

Allerdings setzt die Anwendung voraus, dass es sich um intakte Haut bzw. Schleimhäute handelt. Diese Voraussetzung ist von Bedeutung, weil eine Aufnahme der Polypeptide in das Blut nicht erfolgen soll, um die gefürchteten Nebenwirkungen auszuschließen.

Diskussionen haben in der letzten Zeit die Anwendungen von Lokalantibiotika in der Mundhöhle verursacht. Hierbei wird teilweise die Wirksamkeit angezweifelt und Befürchtungen im Hinblick auf mögliche Selektionen resistenter Keime geäußert.

Die Polypeptid-Antibiotika wirken bakteriozid, also abtötend auf Bakterien.

2.10 Nitroimidazole:

Um 1975 wurde die Wirkung gegen anaerob wachsende Darmbakterien entdeckt. Anaerobier können nur unter Ausschluß von Sauerstoff leben, daher kommen sie häufig in abgeschlossenen Bereichen des Körpers vor, die nicht von der normalen Luft erreicht werden, oder in denen kein Blut fließt. Es gibt Anaerobier, die, wie andere Bakterien auch, zu der normalen Flora des Körpers gehören. Einige Vertreter können aber trotzdem für den Menschen sehr gefährlich werden.

Die Nitroimidazole wirken schädigend auf die DNA der Mikroorganismen und bewirken damit deren Absterben.

In der Medizin werden heute hauptsächlich Cephalosporine, Penicilline und Macrolidone eingesetzt.

Alle Antibiotika besitzen im menschlichen Körper relativ kurze Halbwertszeiten von 1 – 12 Stunden und werden durch die Niere ausgeschieden. Einige führen aufgrund ihres Wirkmechanismus zu Nebenwirkungen.

Es gibt heute Tausende von natürlichen und synthetischen Antibiotika gegen allgemeine und spezifische Erreger. Die unkontrollierte Gabe von Antibiotika in den letzten 50 Jahren hat zu einer starken Resistenzentwicklung bei krankheitserregenden Bakterien geführt.

Da auch Antibiotika bei der Tierzucht in der Nahrungsmittelproduktion verwendet werden, steht der Mensch unter ständigem Antibiotikaeinfluß.

3. Bakterielle Resistenz

Schon kurze Zeit, nachdem man in den Kliniken Antibiotika einsetzte (ca.1945), entdeckte man resistente Stämme, die gegen Penicillin unempfindlich waren. Die Resistenz wuchs mit der steigenden Verabreichung von Antibiotika. Die Industrie erfand erneut Antibiotika, kurze Zeit später fand man Stämme, die resistent dagegen waren.

Heute sollen 95 % aller Stämme resistent gegen Penicillin und andere Antibiotika sein.

Die Resistenz kann verschiedene Ursachen haben:

Natürliche Resistenz:

Bakterien sind grundsätzlich gegen ein Antibiotikum resistent, da sie ein Gen besitzen, das für die Resistenz gegen Ihr eigenes Antibiotikum verantwortlich ist. Gram-negative Bakterien besitzen eine Außenmembran, die eine Barriere für das Eindringen von Antibiotika darstellt.

Weiterhin kann dem Bakterium ein Transportsystem für das Antibiotikum fehlen oder der Stoffwechselweg gegen den das Antibiotikum wirken soll, fehlt. Erworbene Resistenz

Bakterien werden durch das Wechselspiel von Mutation und Selektion resistent oder durch Genaustausch von anderen Stämmen oder Individuen.

4. Anwendung nach Vorschrift ist sehr wichtig.

Bei der Anwendung von Antibiotika sollte vorher möglichst festgestellt werden welches Bakterium für die Erkrankung verantwortlich ist. Viele Erkrankungen werden vorwiegend von einem bestimmten Erreger ausgelöst.

Ein Antibiotikum sollte immer so lange und in der Dosierung eingenommen werden, wie der Arzt es verschrieben hat. Das ist sehr wichtig auch dann, wenn die Krankheitssymptome schon vorher abklingen oder verschwinden. Wird ein Antibiotikum zu früh abgesetzt, können einzelne Bakterien überleben und die Erkrankung kann erneut ausbrechen. Außerdem bilden sich so schnell resistente Bakterienstämme heraus, die im Falle einer erneuten Erkrankung nicht mehr auf das angewandte Antibiotikum reagieren. Das Medikament ist dann wirkungslos.

Antibiotika werden nicht nur in der Humanmedizin angewandt. Ein sehr großes Einsatzgebiet ist auch die Tiermedizin und die Nutztierhaltung. So ergeben sich Auswirkungen auf Böden, Gewässer und Tierzucht, die ebenfalls zur Resistenzentwicklung beim Menschen beitragen.

Vancomycin ist oft der letzte Ausweg, mit dem man versucht Leben zu retten. Doch auch hier haben sich schon resistente Stämme entwickelt, was in einigen Fällen zum Tod der Patienten geführt hat.

Vancomycin ist bakterizid und gegen die meisten grampositiven Bakterien wirksam. Es tötet Bakterien hauptsächlich durch Verhinderung der Zellwandsynthese. Dabei wird auch die Membran beschädigt und die RNA – Synthese gestört.

5. Antibiotika in der Tiermast

Auch in der Tiermast verwendet man Antibiotika um die Tiere gesund zu halten (Tetracycline, Penicilline, Neomycin, usw...).

Besonders in der Massentierhaltung werden Medikamente nicht nur vorbeugend bei akuter Infektionsgefahr verabreicht - bisweilen sollen sie auch das Wachstum beschleunigen. Genauso wie beim Menschen können Bakterien auch bei Tieren Resistenzen bilden. Die resistenten Krankheitserreger können dann über die Nahrungskette auf den Menschen übertragen werden. Inzwischen ist der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast um 70 Prozent zurückgegangen, nur noch drei Substanzen sind heute als Zusatzstoffe im Futtertrog erlaubt. Ab 2006 sollen Antibiotika in Futtermitteln EU-weit verboten sein.

6. Synthetische Herstellung von Antibiotika

Die Entwicklung eines neuen Antibiotikums ist sehr zeit- und kostenintensiv. Zunächst muss der Organismus, der den antibiotischen Wirkstoff bildet, identifiziert und das Antibiotikum an einer genügend großen Anzahl von Bakterien- bzw. Pilzarten getestet werden. Dann ist es erforderlich, diese Organismen in großem Maßstab zu züchten, so dass der antibiotische Wirkstoff gereinigt und chemisch analysiert werden kann, um seine Wirkungsweise nachzuweisen. Dies ist ein umfangreiches Verfahren. Nachdem sich das neue Antibiotikum im Tierversuch als geeignet zur Behandlung von Infektionen erwiesen hat, kann die Großproduktion beginnen Umfangreiche Studien sind unter Umständen nötig, um durch die Auswahl verbesserter Stämme oder durch Veränderung des Wachstumsmediums oder anderer Kulturparameter den Ertrag zu erhöhen. Der Organismus wird dann in großen Stahlfässern, so genannten Fermentern gezüchtet, die mit Nährlösung getränkt sind, künstlich belüftet und laufend auf beste Wachstumsbedingungen für den heranzuziehenden Organismus kontrolliert und entsprechend gesteuert werden. Das natürlich fermentierte Produkt wird möglicherweise noch chemisch modifiziert; man spricht in diesem Fall von halbsynthetischen Antibiotika.

Nach der Reinigung muss die Wirkung des Antibiotikums auf die normalen Funktionen von Körpergeweben und Organen sowie seine möglichen toxischen Eigenschaften an einer großen Anzahl von Versuchstieren verschiedener Arten getestet werden. Antibiotika können äußerlich angewandt werden - auf der Hautoberfläche, im Auge oder Ohr -, meist in Form von Salben und Cremes. Sie können oral (durch den Mund) gegeben werden, zum Lutschen oder zum Schlucken. In diesem Fall gehen sie im Darm in den Blutkreislauf über. Antibiotika werden auch intramuskulär (in den Muskel), intravenös (in die Blutgefäße) oder subkutan (unter die Haut) gespritzt. Diese Darreichungsform wählt man, wenn eine schnelle Aufnahme der Wirkstoffe erforderlich ist.

Sobald die letzten Tests und die Wahl der Darreichungsform abgeschlossen sind, kann der Hersteller sein Produkt bei der zuständigen medizinischen Aufsichtsbehörde zum klinischen Versuch anmelden. Erteilt sie ihre Zustimmung, kann das Antibiotikum an freiwilligen Versuchspersonen auf Toxizität, Toleranz, Aufnahme- und Ausscheidungseigenschaften getestet werden. Nachdem mehrere Testreihen an einer kleinen Anzahl von Patienten erfolgreich verlaufen sind, darf das Medikament an größeren Versuchsgruppen, meist an Hunderten von Patienten, getestet werden. Schließlich kann bei der medizinischen Aufsichtsbehörde die Zulassung für das neue Medikament beantragt werden. Wird diese erteilt, so darf das Mittel anschließend allgemein in der klinischen Medizin zur Anwendung kommen Insgesamt erstreckt sich der Zeitraum von der Entdeckung eines antibiotischen Wirkstoffes im Labor bis hin zu den klinischen Versuchsreihen im Allgemeinen über einige Jahre, teilweise dauert dies bis zu einem Jahrzehnt.

Man kennt derzeit über 8000 Antibiotika. Weltweit werden 100 000 Tonnen/Jahr produziert, ein Markt von ca. 34 Milliarden Euro.
Links:
Cayone besuchen
DSL - Informationen
Webmaster - Hilfe mit Forum
Fun - Alles was niemand braucht
Download: DOC
Autor: Maria Stumpfl and Daniela Bura
Mail: maria.stumpfl [at] gmx [dot] at
Software and Internet